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Die bangladeschische Wirtschaft

Scaffold in Dhaka

Scaffold in Dhaka, © Photographer Noor Gelal

01.10.2019 - Artikel

Wirtschaftspolitik

Seit 25 Jahren folgen die jeweiligen Regierungen einem unternehmerfreundlichen Kurs, der sehr zum Aufschwung der bangladeschischen Industrie beigetragen hat. Der Wechselkurs orientiert sich am US-Dollar und ergibt sich grundsätzlich aus Angebot und Nachfrage. Die Zentralbank interveniert allerdings, um bestimmte Wechselkursziele zu erreichen, falls dies bei der Steuerung makroökonomischer Rahmenbedingungen erforderlich erscheint ('managed float').

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das Wirtschaftswachstum des Haushaltsjahres 2018/2019 (Juli 2018 bis Juni 2019) erreichte 8.2 Prozent und fiel stärker aus als die Wachstumsprognose der Weltbank. Für das Kalenderjahr 2019 erwartet die Weltbank ein Wachstum von 7,3 Prozent.

Laut Angaben des bangladeschischen Statistik-Instituts betrug das Wachstum der Landwirtschaft im Haushaltsjahr  2018/19 3,51 Prozent und fiel damit etwas niedriger aus als im letzten Jahr (Haushaltsjahr 2017/18: 4,19 Prozent). Die verarbeitende Industrie lag mit ihrem Wachstum von 13,02 Prozent über dem Wachstum des Vorjahrs (12,06 Prozent). Der Dienstleistungssektor (6,50 Prozent) wuchs ähnlich stark wie im Vorjahr. Die Exporte im Haushaltsjahr  2018/19 wuchsen mit 10,55 Prozent noch stärker als in den Vorjahren (z.B. 2017/18: 5,8 Prozent), die gesamten Exporterlöse betrugen 46,87 Mrd. US-Dollar. Die Binnennachfrage nimmt zu.

Insgesamt schloss die Handelsbilanz im Haushaltsjahr 2018/19 mit einem Defizit von etwa 14,91 Milliarden US-Dollar und lag damit signifikant höher als noch 2017/18 mit circa  1,11 Milliarden US-Dollar. Der Energiebedarf wächst, bis dato verfügt ca. 90 Prozent der bangladeschischen Bevölkerung über Zugang zum Energienetz. Die Rücküberweisungen von Gastarbeitern stiegen gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf insgesamt 15,5 Milliarden US-Dollar.

Der aktuelle Staatshaushalt 2019/20 hat ein Volumen von circa 5 Billionen Taka (ungefähr 61 Milliarden US-Dollar) und sieht ein Defizit von 5,0 Prozent des BIP  vor. Die Investitionsausgaben zum Ausbau der Energie- und Verkehrsinfrastruktur wurden weiter erhöht. Priorität hat zudem die ländliche Entwicklung. Risiken für den Haushalt liegen in der zwar zunehmenden, aber immer noch geringen Steuerbasis, dem instabilen Bankensektor und in der Ermangelung einer wirksamen Bekämpfung der Ungleichheit zwischen Arm und Reich. Die durchschnittliche jährliche Inflationsrate lag 2018/19 bei rund 5,5 Prozent und war damit lediglich 0,2 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Obwohl die Armutsquote in den letzten zwei Dekaden zurückging, leben weiterhin mindestens 11,3 Prozent der Bevölkerung (circa 20 Millionen) unterhalb der extremen Armutsgrenze von 1,9 US-Dollar täglich. Unter- sowie Fehlernährung bleiben weit verbreitete Phänomene. Das Bevölkerungswachstum liegt bei 1,02 Prozent, die Geburtenziffer je Frau bei 2,2.

Außenhandel und Direktinvestitionen

Die Exporterlöse sind im Haushaltsjahr 2018/19 weiter auf 46,87 Mrd. US-Dollar gestiegen (zum Vergleich: 2017 betrugen sie noch 36,66 Milliarden US-Dollar). Bedeutendste Absatzmärkte sind die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (58 Prozent) und die USA (16 Prozent). Hauptexportgüter sind mit etwa 89 Prozent Bekleidungsartikel. Es folgen Lederwaren, Jutewaren (1,8 Prozent) und Fisch (1,5 Prozent).

Das Importvolumen stagnierte im Haushaltsjahr 2018/19 bei 55,4 Milliarden US-Dollar. Hauptlieferländer sind China (21,5 Prozent), Indien (12,2 Prozent) und Singapur (9,2 Prozent). Eingeführt werden hauptsächlich Nahrungsmittel, Garne, Fasern, Stoffe, Mineralöle und Investitionsgüter.

Private ausländische Direktinvestitionen haben trotz der in den vergangenen Jahren eingeleiteten staatlichen Fördermaßnahmen (steuerliche Vergünstigungen, Errichtung von Exportzonen) mit 14,6 Milliarden USD ein im regionalen Vergleich geringes Niveau. Etwa die Hälfte der ausländischen Investitionen fließt in den Öl-, Gas- und Energiesektor und die Telekommunikation. Auf den Dienstleistungssektor und auf die verarbeitende Industrie (Textilien, Zement und Düngemittel) entfallen jeweils etwa ein Viertel der Direktinvestitionen. Den vergleichsweise günstigen gesetzlichen Bedingungen für Auslandsinvestitionen (unter anderem geringe Steuern, Einrichtung von speziellen Exportzonen) sowie dem wachsenden Binnenmarkt stehen eine schwache Verkehrsinfrastruktur, ein hohes Energiedefizit sowie weit verbreitete Korruption und lähmende Bürokratie entgegen.

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